Segeln auf der Schlei

Ein Törn- und Revierbericht (2021) unseres KV-Mitglieds Karl-Heinz Häger.

In diesem Jahr war ich zum vierten mal an der Schlei um dort zu Segeln. Das hatte gute Gründe: Einerseits sind in diesem Jahr die Reviere in den Niederlanden aufgrund der Pandemie nicht oder nur mit Einschränkungen zu befahren, andererseits hat mich die Schlei mit ihrer Landschaft mehr und mehr in den Bann gezogen.

Weil ich für meine Lis keinen Dauer-Liegeplatz habe, bin ich das Trailern zu einem Revier gewohnt. Einziger Unterschied zu Friesland ist die Entfernung: Rund 600 km von Mönchengladbach an die Schlei fährt man am besten von abends ca. 22.00 Uhr bis morgens ca. 06.00 Uhr. Dann fahren nur LKW´s auf der Autobahn und den Hamburger Raum mit dem Elbtunnel passiert man in der Nacht ohne weitere Verzögerungen.

Als Heimathafen für meinen 10-tägigen Aufenthalt wählte ich den Sportboothafen Lindaunis. Der Hafen liegt auf der zur Ostsee offenen Seite. Nach Süden, d. h. in Richtung Schleswig kann man von dort aus auch Segeln, aber dann muß man entweder hoffen, daß die zu passierende Klappbrücke Lindaunis funktioniert (was im Moment nicht immer sichergestellt ist) oder man muß den Mast legen (was aber bei der Lis sehr problemlos funktioniert).

Der Sportboothafen in Lindaunis ist sehr gepflegt, die Sanitäranlagen sind top, man hat einen Parkplatz für den PKW und den Trailer und das Hafenmeisterehepaar ist sehr nett zu den Seglern.

Die Übernachtung mit allem Drum und Dran kostete 15 Euro pro Nacht.


Man gewöhnt sich daran, daß man mit einer Lis in der Regel das kleinste Boot im Hafen bewohnt.

Das Slippen erfordert an der Schlei ein paar Insidertips: Brauchbare Slipanlagen, welche ich selbst getestet habe befinden sich:

  • am Campingplatz Karschau (5 Euro pro Slipvorgang, lange Rampe, das Ausslippen ist einfach, das Einslippen wegen der Rampenabfahrt für das Gespann etwas anspruchsvoll)
  • im Sportboothafen Fleckeby (ca. 10 Euro pro Slipvorgang, schöne Anlage, Abstellmöglichkeit für PKW und Trailer, liegt etwas abgelegen)
  • am Schneiderhaken (gratis, hinter der Brücke von Lindaunis, schwer zu finden, nur geeignet, wenn das Gespann niedriger als 160 cm ist).
  • In Sieseby (gratis, kleine Anlage, wegen der Bodenbeschaffenheit darf der letzte Meter vor der Slip-Anlage mit dem PKW nicht befahren werden, man muß also den Trailer mit einem Seil zur Anhängerkupplung ins Wasser rollen, was nicht so einfach ist). Hier habe ich eingeslipt.
  • In Missunde (gratis, Top-Anlage, Parkplätze vorhanden, aber möglicherweise voll, weil hier an einigen Tagen viele Motorbootfahrer slippen)

Naja, das Einslippen klappte einigermaßen, mit dem Boot gings dann in den Hafen von Lindaunis und von dort mit dem Klapprad zurück nach Sieseby, um das Auto und den Trailer zurückzuholen (die übliche Logistik in solchen Fällen).

Lebensmittel hatte ich für einige Tage gebunkert (in Lindaunis gibt es keinen Laden), der Segelurlaub konnte also beginnen.

Praktisch an allen Tagen hatte ich schönes Segelwetter. Viele Touren machte ich nach Arnis und nach Kappeln.

Eine Tour führte nach Missunde. Dort war ein Treffen mit Peter aus dem Turm vereinbart. Peter kannte ich vom letzten Jahr. Er wohnt im Wikingturm Schleswig und besitzt einen Jollenkreuzer, der direkt vor der Haustür im Hafen seinen Liegeplatz hat. Peter kennt das Revier und Land und Leute dort in- und auswendig.

Peter segelte also an einem vereinbarten Tag morgens los, ich ebenfalls, mußte in Lindaunis aber erst noch den Mast legen, um die Brücke zu passieren und zeitgleich trafen wir uns dann in Missunde an der Fähre. Nach einem einstündigen Plausch ging es zurück nach Lindaunis, wo ich dann die Brücke passieren konnte, d. h. ich erwischte einen der täglich vier Brückenöffnungsslots.


An einem Sonntag gab es Starkwind und eine Radtour mit dem Klapprad stand an. Dabei traf ich an der Slipanlage von Karschau Boris mit seiner Familie. Er war gerade dabei, seine Lis aufzuriggen. Boris hatte zuvor mit mir Kontakt aufgenommen im Forum der Lis-Klassenvereinigung. Später trafen wir uns zweimal auf der Schlei mit den Booten. Und noch einem weiteren Lis-Segler begegnete ich mehrfach.


Eines meiner lang geplanten Ziele in diesem Jahr war der Besuch der Giftbude in Schleimünde. Dazu fuhr ich an einem Mittwochmorgen um sieben Uhr früh los. Die Brücke in Kappeln passierte ich um viertel vor neun und dann ging es weiter in Richtung Schleimünde. Für den Hinweg stand der Wind günstig, meist achterlicher bis halber Wind von angenehmer Stärke. Auf der Höhe von Rabelsund gab es eine Verzögerung: Weil an einer Hochspannungsleitung über die Schlei ein neues Kabel eingezogen wurde, war die Schlei für eine Stunde gesperrt, d. h. ich mußte vor Anker warten. Um ca 11.00 Uhr war dann aber wieder alles frei und um die Mittagszeit machte ich meine Lis im Hafen von Schleimünde fest.


Die ersten zwei Seemeilen der Rückfahrt mußte motort werden. Der Wind stand genau gegenan und das Fahrwasser war zu eng, um zu kreuzen. Zudem war wieder ein einstündiges Ankerliegen in Rabelsund fällig. Danach ging es aber zügig weiter durch die Brücke von Kappeln und schließlich mit einigen langen Kreuzschlägen zurück in den Hafen von Lindaunis.

Die Zeit wurde nicht lang, das Leben in der kleinen Kajüte der Lis war problemlos möglich. Dann war der Urlaub auch mal zu Ende. An einem Freitagabend brachte ich Auto und Trailer nach Missunde und fuhr mit dem Faltrad zurück zu meinem Boot in Lindaunis. Am nächsten Morgen ging es dann mit Mastlegen zurück nach Missunde. Auch auf dieser letzten Tour hatte ich angenehmes Wetter und passenden Wind. Das Ausslippen klappte gut, obwohl an der Slipanlage viel Betrieb herrschte.

Schlußendlich mußte ich dann noch das Fahrrad in Lindaunis abholen bevor es auf den Heimweg ging.

Sicherlich wird es nicht der letzte Segelurlaub sein auf dem schönen Gewässer.


Anmerkung:

Im vergangenen Jahr habe ich den südlichen Teil der Schlei besegelt. Dabei war Fleckeby mein Basishafen. Dieser Hafen ist von der Autobahn aus schnell erreichbar, hat eine gute Slipanlage und ansonsten auch die passende Infrastruktur. Als Segelrevier liegen die Große und die Kleine Breite direkt vor dem Hafen. Missunde ist nicht weit weg und Schleswig mit seinem Schloß ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Grundsätzlich finde ich dieses Revier genauso attraktiv und abwechslungsreich wie den nördlichen Teil.